Telefunken Magnetophon 3002

Das Telefunken Magnetophon 3002 gehörte seinerzeit zu den hochwertigeren Heim-Tonbandgeräten der 1970er Jahre und wurde für anspruchsvolle Sprach- und Musikaufnahmen konzipiert.

Mit seinen getrennten Aufnahme- und Wiedergabeköpfen, mehreren Bandgeschwindigkeiten (typisch 4,75 / 9,5 / 19 cm/s) sowie einer soliden Mechanik und umfangreicher Ausstattung erfüllt es die Anforderungen der damaligen HiFi-Normen und erlaubt eine präzise Beurteilung von Bandlauf, Pegel und Frequenzgang.

Dieser Reparatur- und Erfahrungsbericht basiert auf der Reparatur und (Wieder-) Inbetriebnahme eines solchen Geräts und zeigt den Zustand, in dem ich es erhielt. Außerdem musste ich einige Feststellungen machen, was Umbauten am Gerät angeht, die man nicht alle Tage sieht.

Ausstattung und technische Eckdaten

Das Telefunken Magnetophon 3002 ist als Heim- und HiFi-Tonbandgerät ausgelegt und besitzt drei Bandgeschwindigkeiten (4,75, 9,5 und 19 cm/sek.). Es ist es für Stereo- bzw. Vierspuraufnahmen vorgesehen. Die Bedienung erfolgt über frontseitige Tasten und Schieberegler, ergänzt durch grün beleuchtete Pegelanzeigen für die Aussteuerung. Als Anschlüsse sind DIN-Buchsen sowie Eingänge für Mikrofon und Kopfhörer vorhanden.

Die Konstruktion orientiert sich an den damals üblichen Bauformen. Aber das Magnetophon 3002 ist auffällig flach aufgebaut und deutlich weniger tief wie vergleichbare Tonbandgeräte aus jener Zeit. Mechanik und Gehäuse sind sehr stabil ausgeführt, was sich auch im Gewicht des Geräts widerspiegelt. Denn ein Leichtgewicht ist das M3002 ganz sicher nicht.

Telefunken Magnetophon 3002

Aufbau und Asstattung des Telefunken Magnetophon 3002

Das Magnetophon 3002 ist konstruktiv deutlich aufwendiger gestaltet als die sonst üblichen, einfachen Koffergeräte aus jener Zeit. Die Elektronik ist in mehrere Baugruppen aufgeteilt, und der Bandlauf wird von zwei Motoren sowie einer getrennten Kopfbestückung für Löschen, Aufnehmen und Wiedergeben bestimmt. Dadurch lassen sich Aufnahme- und Wiedergabeteil getrennt betrachten und prüfen.

Typische Messpunkte für Pegel, Frequenzgang und Versorgungsspannungen sind im Schaltplan gut zugänglich. Ebenso lassen sich mechanische Probleme wie schwergängige Lager, verstellte Bandführungen oder ungleichmäßiger Lauf relativ eindeutig zuordnen. Aber das ist normalerweise nicht notwendig, wenn an den Geräten nicht herumgestellt wird.

Telefunken Magnetophon 3002

Hier sind die Bedientasten für das Bandlaufwerk des Telefunken Magnetophon 3002 zu sehen. Wie seine Schwestermodelle Magnetophon 2000 und Magnetophon 3000 sind diese elektrisch unterstützt. Das heißt, es ist nur ein leichter Tastendruck nötig, um das Laufwerk zu steuern. Ein dicker Elektromagnet führt die Funktionen mechanisch aus. Und da wären wir schon bei einer Besonderheit dieses Gerätes. Der Magnet muss nicht dauernd unter Strom stehen, sondern wird nur kurz in Betrieb gesetzt, um die mechanische Funktion auszuführen, danach verbleibt er stromlos und verbraucht weder Strom noch erzeugt er Wärme.

Telefunken Magnetophon 3002

Weitere Bedienelemente und Funktionen

Dies sind die weiteren Bedienelemente des Magnetophon 3002. Neben diesem Gerät gibt es noch ein paar weitere aus dieser Baureihe, das Magnetophon 2000 und das Magnetophon 3000. Ersteres ist die vereinfachte Ausführung mit nur einem Antriebsmotor (mit Wechselspannung aus dem Stromnetz betrieben und kein Gleichspannungsmotor), ohne Endstufe und ohne Hinterbandkontrolle (2-Kopf statt 3-Kopf wie dieses Gerät hier). Das Magnetophon 3000 hat schon zwei Motoren, aber dafür keine Endstufe wie das 3002. Doch zurück zu diesem Gerät hier. Es hat einige Zusatzfunktionen wie Trickaufnahme (siehe Tonbandlexikon), Echo und Aussteuerungsregler für mehrere Eingangsquellen. Die Kopfhörerbuchse wurde wohl schon einmal gewechselt. Normalerweise hat das Telefunken Magnetophon eine 5-polige Würfelbuchse als Kopfhöreranschluss eingebaut.

Telefunken Magnetophon 3002 Innenansicht oben

Innenansicht mit abgenommener oberer Deckplatte

Auf diesem Bild ist das Telefunken Magnetophon 3002 mit abgenommener oberer Abdeckplatte zu sehen. Der Blick fällt direkt auf das vollständig freigelegte Laufwerk mit den Bandführungsrollen, Umlenkrädchen und den beiden Wickel­tellern. Diese Perspektive ist besonders hilfreich für alle, die sich mit Tonbandreparatur oder der Wartung klassischer Tonbandgeräte beschäftigen.

Bereits auf den ersten Blick ist erkennbar, dass an diesem Tonbandgerät im Laufe der Jahre schon gearbeitet wurde. Mehrere nachträgliche Veränderungen und Eingriffe deuten auf frühere Reparaturen oder Servicearbeiten hin. Auffällig sind die zahlreichen Aufkleber mit Kennzeichnungen wie „S21“ und anderen Aufschriften, die vermutlich von einem Vorbesitzer oder Servicetechniker zur Markierung bestimmter Baugruppen angebracht wurden.

Sehr gut zu erkennen ist der massive, äußerst robuste Aufbau des Geräts. Sowohl das Gehäuse als auch das innere Chassis bestehen aus stabilem Metall, was typisch für hochwertige Tonbandgeräte aus dieser Epoche ist. Diese Bauweise erklärt auch das hohe Gewicht des Telefunken Magnetophon 3002, das nicht nur für Standfestigkeit sorgt, sondern auch für die sprichwörtliche Langlebigkeit dieser aufwendig konstruierten Bandmaschinen.

Telefunken Magnetophon 3002 Innenansicht oben

Diese Detailaufnahme zeigt den Tastenblock zur Laufwerksbedienung, die Umschalterreihe sowie den Tonkopfträger mit dem Hebel für die Andruckrolle. In diesem Bereich wird deutlich, wie mechanisch aufwendig und präzise das Laufwerk dieses klassischen Tonbandgeräts konstruiert ist.

An den Hebeln der Umschalter befinden sich kleine Kunststoffteile, die laut Berichten anderer Besitzer dieser Tonbandgeräte gelegentlich zum Brechen oder Verspröden neigen. Bei dem hier gezeigten Gerät ist dies glücklicherweise nicht der Fall, was auf einen vergleichsweise guten Erhaltungszustand in diesem Bereich hindeutet.

Stattdessen fällt eine andere Besonderheit auf: Am rechten unteren Bildrand ist eine bereits ausgetauschte Kopfhörerbuchse zu erkennen. Dieses Detail weist auf frühere Reparatur- oder Servicearbeiten hin und ist ein typisches Beispiel für altersbedingte Instandsetzungen, wie sie bei der Restaurierung historischer Telefunken-Tonbandgeräte häufig vorkommen.

Telefunken Magnetophon 3002 Köpfe

Weitere Details zum Innenleben des Magnetophon 3002

Diese Detailaufnahme zeigt die beiden getrennten Tonköpfe für Aufnahme und Wiedergabe am Telefunken Magnetophon 3002. Rechts daneben ist die Capstanwelle zusammen mit der Andruckrolle zu erkennen, die für den gleichmäßigen Bandtransport verantwortlich ist.

Die Einstellung der Tonköpfe erfolgt bei diesem Tonbandgerät auf eine eher ungewöhnliche Art. Statt der sonst häufig anzutreffenden Justageschrauben auf einer Trägerplatte unterhalb der Tonköpfe werden hier Schrauben an einer Befestigungsplatte oberhalb der Köpfe verwendet. Diese konstruktive Lösung unterscheidet sich dadurch von vielen anderen Tonbandgeräten.

Glücklicherweise befinden sich die Tonköpfe dieses Geräts noch in einem sehr guten Erhaltungszustand. Das macht sich unmittelbar in einer sauberen und klaren Klangwiedergabe bemerkbar und ist ein wichtiger Pluspunkt bei der Beurteilung und Restaurierung dieses Telefunken-Tonbandgeräts. Es erreicht bereits bei einer Bandgeschwindigkeit von 4,75 cm/sek. die HiFi-Norm, was seinerzeit Mitte der 70er Jahre noch keine Selbstverständlichkeit war.

Telefunken M3002 Reglerplatte

Dies ist die Reglerplatte für das Tonbandgerät mit den ganzen Einstellungen für die Aufnahmeaussteuerung, den Klangeinstellungen und der Lautstärkeregelung. Links daneben befinden sich die Mikrofonanschlüsse sowie eine Kopfhörerbuchse. Ursprünglich war hier eine seinezeit übliche Würfelbuchse verbaut, die aber durch eine 6,3mm-Klinkenbuchse ersetzt wurde. Die Klangregelung funktioniert bei Kopfhörerbetrieb gar nicht. Aber auch bei Lautsprecherbetrieb funktionierte sie bei diesem Gerät nicht. Das lag am Einbau dieser Klinkenbuchse. Ungewöhnlich ist bei diesem Magnetophon 3002 die Abschaltung der externen Lautsprecherboxen. Dazu wird der Eingang für die Endstufe einfach von der Vorstufe getrennt, sobald ein Kopfhörer angeschlossen wird. Doch mehr zu diesem Thema folgt noch weiter unten. Denn diese ganze Problematik sollte mich noch eine ganze Weile beschäftigen.

Telefunken M3002 Laufwerk und Bandzählwerk

Hier ist neben den Aussteuerungsinstrumenten eine der beiden Bremsen für die Wickelteller zu sehen. Diese funktioniert über eine einfache Seilzugmechanik und einen Bandzughebel.

Telefunken M3002 Antriebsmotor

Die beiden Wickelteller werden über einen separaten Gleichstrommotoren angetrieben. Der Antrieb erfolgt über eine Mechanik und zwei Zwischenräder. Glücklicherweise sind diese bei diesem Gerät noch in einem sehr guten Zustand, was aber keine Selbstverständlichkeit ist. Bei vielen anderen Tonbandgeräten aus der damaligen Zeit hat sich das Gummi zum Teil aufgelöst oder ist zumindest porös geworden.

Telefunken M3002 Capstanmotor

Dies ist der Antriebsmotor für das Schwungrad mit Capstanwelle. Dieser Motor ist elektronisch geregelt. Die Anpassung der genauen Motordrehzahl erfolgt separat für alle drei Bandgeschwindigkeiten. Bei diesem Telefunken Magnetophon 3002 musste die Bandgeschwindigkeit 9,5 cm/sek. etwas nachreguliert werden. Wie das auch ohne Messband möglich ist, können Sie in diesem Beitrag zum Einstellen der Bandgeschwindigkeit nachlesen.

Telefunken M3002 Schalterreihe

Über diese Beispiele lassen sich verschiedene Gerätefunktionen aktivieren, darunter die Hinterbandkontrolle, die Echofunktion und noch einige weitere.

Telefunken Magnetophon 3002 Anschlüsse

Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich hinter einer Klappe verschiedene Anschlüsse, unter anderem für externe Lautsprecher, eine Kabelfernbedienung und diverse Ein- und Ausgänge.

Telefunken Magnetophon 3002 Innenansicht hinten

So sieht es unter der schweren Bodenplatte aus, wenn diese abgenommen wird. Auffällig ist der Elektromagnet unten rechts in der Ecke. Ganz oben links befindet sich das Netzteil, die Hauptplatine befindet sich unten in der Mitte. Hier sind verschiedene Gerätefunktionen enthalten, unter anderem die Vorverstärker für Aufnahme und Wiedergabe und die Einstellung der Bandgeschwindigkeit mit der elektronischen Motorregelung. Links daneben über den Anschlüssen zu sehen ist die Platine für den Capstanmotor. Um rechts befindet sich die separate Platine mit der Endstufe, die aus dieser Gerätebaureihe nur das Magnetophon 3002 besitzt.

Telefunken M3002 Verstärkerplatine

Die Verstärkerplatine sozusagen das Mainboard für dieses Tonbandgerät und enthält die zentralen Verstärkerbausteine, die Funktionsschalter und einige weitere Komponenten.

Telefunken M3002 Verstärkerplatine

Die Endstufenplatine ist separat verbaut. Gut zu erkennen sind zwei der Endstufentransistoren, die hier anscheinend schon einmal gewechselt worden sind.

Telefunken M3002 Verstärkerplatine

Die Verstärkerplatine lässt sich nach dem Lösen von einigen Schrauben ganz einfach aufklappen, wodurch die einzelnen Komponenten auf der Bestückungsseite zugänglich werden. Sehr gut zu sehen sind die verschiedenen Umschalter im oberen Bereich, welche durch die Hebel an der Frontseite des Gerätes betätigt werden. Beim Zuklappen der Platine muss ich darauf geachtet werden, dass diese Hebel an den richtigen Stellen ein rasten, damit die Schalter auch korrekt betätigt werden. Darunter befinden sich die Umschalter für die Bandgeschwindigkeiten sowie Aufnahme und Wiedergabe.

Telefunken M3002 Kopfhöreranschluss

Die originale Kopfhörerbuchse enthielt auch einen Umschalter für die automatische Abschaltung der Lautsprecher bei Kopfhörerwiedergabe. Auch die hier verbaute Klinkenbuchse enthält einige Schaltkontakte. Um die Endstufe aber bei Kopfhörerbetrieb zu deaktivieren, reichten diese aber nicht aus. Hier wurde ein zusätzliches Relais eingebaut, um diese Funktion zu übernehmen. Leider wurde diese Umschaltung so eingebaut, dass die Klangregelung auch bei Kopfhörerbetrieb nicht funktionierte. Um dieses Problem zu beheben, musste ich mich einige Zeit mit den Schaltflächen zu diesem Gerät beschäftigen und einen Weg finden, um die Umschaltung so hinzubekommen, dass die Klangregelung zumindest bei Lautsprecherbetrieb weiterhin funktioniert, sowie das auch original vorgesehen war.

Telefunken Magnetophon 3002 Schaltbild Ausschnitt

Dies ist ein Ausschnitt aus dem Schaltbild des Magnetophon 3002. Die Ausgänge vom Vorverstärker gelangen nach dem Lautstärkeregler (nicht in diesem Ausschnitt zu sehen) und der Vorstufe zum Kopfhöreranschluss. Die Bass- und Höhenregelung läuft praktisch am Kopfhöreranschluss vorbei und wird direkt zur Endstufe weitergeführt. Deshalb funktioniert die Klangregelung auch nur während des Lautsprecherbetriebs. Beim Anschließen der geänderten Kopfhörerbuchse ist aber so vorgegangen worden, dass der Anschluss der Endstufe an der gleichen Stelle erfolgte wie der Kopfhöreranschluss, sodass die Klangregelung auch während des Lautsprecherbetriebes nicht mehr funktionieren konnte.

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Autor: Gerd Weichhaus: https://bandmaschinenseite.de/autor/

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