Tonband überspielen, Tonbandgerät an PC-Soundkarte anschließen

In vielen Haushalten lagern noch alte Tonbandaufnahmen auf Spulen. Oft in Kartons oder Kisten und seit Jahren nicht mehr gehört. Dabei handelt es sich nicht selten um private Mitschnitte, Musikaufnahmen oder Erinnerungen, die sich auch heute noch mit überschaubarem Aufwand digitalisieren lassen. Voraussetzung dafür ist, dass das Tonbandgerät korrekt an den Computer angeschlossen wird und die Aufnahme sauber erfolgt.

Ich habe im Laufe der Jahre zahlreiche Tonbandgeräte an PCs angeschlossen und Tonbänder digitalisiert. Dabei zeigt sich immer wieder, dass die Technik selbst selten das eigentliche Problem ist, sondern eher Unsicherheit beim Anschluss, bei der Wahl des richtigen Kabels oder bei den Einstellungen der Soundkarte. Mit der passenden Verbindung und kostenloser Software lässt sich das Überspielen jedoch zuverlässig umsetzen.

In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie ein Tonbandgerät an die Soundkarte eines PCs anschließen, welches Kabel dafür benötigt wird und worauf Sie bei der Aufnahme achten sollten. Ziel ist es, Ihre Tonbandaufnahmen möglichst verlustarm zu digitalisieren und für die Zukunft zu sichern.

Tonband überspielen: Tonbandgerät Philips N4302 mit Tonbandspulen
Tonbandgerät Philips N4302 mit Tonbandspulen

Grundsätzlich ist der technische Aufwand überschaubar. Mit dem richtigen Verbindungskabel und einer passenden Software lässt sich ein Tonbandgerät problemlos mit einem PC verbinden. Die benötigte Aufnahmesoftware ist sogar kostenlos erhältlich. Der kritische Punkt ist fast immer der Anschluss zwischen Tonbandgerät und Soundkarte.

Das richtige Verbindungskabel zwischen Tonbandgerät und PC

Um ein Tonbandgerät mit dem Computer zu verbinden, empfiehlt sich der Anschluss an den sogenannten Line-In-Eingang der Soundkarte. Dieser Eingang ist bei vielen Soundkarten blau gekennzeichnet und für die Aufnahme von Line-Signalen ausgelegt. Verwendet wird hier in der Regel ein 3,5-Millimeter-Klinkenstecker, wie er auch bei vielen Audioanschlüssen üblich ist.

Ältere Tonbandgeräte besitzen jedoch meist keine Klinkenbuchsen, sondern sogenannte DIN-Anschlüsse. Diese wurden früher standardmäßig verwendet, um Tonbandgeräte mit Verstärkern, Radios oder anderen Audiogeräten zu verbinden. Soll ein solches Gerät an eine moderne Soundkarte angeschlossen werden, ist daher ein passendes Adapterkabel erforderlich, das die DIN-Anschlüsse auf Klinke oder Cinch adaptiert.

Solche Adapterkabel sind teilweise noch im Fachhandel oder bei spezialisierten Elektronikversendern erhältlich. Alternativ lassen sie sich auch selbst anfertigen, sofern grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Steckern und Kabeln vorhanden sind. Wichtig ist dabei, die korrekte Belegung der Anschlüsse zu kennen, um das Audiosignal sauber abzugreifen.

Anschlussbelegungen von 3- und 5-poligen DIN-Steckern sowie Klinkenstecker
Anschlussbelegungen von 3- und 5-poligen DIN-Steckern sowie einem Stereo-Klinkenstecker

Nur zur Info: Im Bild oben finden Sie die Anschlussbelegungen von Mono- und Stereo-DIN-Steckern sowie DIN-Buchsen. Zum Abnehmen des Audiosignals können die Anschlüsse für Wiedergabe verwendet werden. Darunter zu sehen ist die Anschlussbelegung des Stereo-Klinkensteckers zum Anschließen des Tonbandgerätes an den Line-in-Eingang der Soundkarte.

Tonbandgerät und Computer miteinander verbinden

Der Anschluss am Computer dürfte somit klar sein. Verwenden Sie am besten den blauen Anschluss mit der Bezeichnung Line-In. Die meisten Tonbandgeräte besitzen mehrere Anschlussbuchsen. Früher wurden die Tonbandgeräte mit Verstärkern oder Radiogeräten sowie mit Mikrofonen oder Plattenspielern verbunden. Zu diesem Zweck sind am Tonbandgerät verschiedene Anschlussuchsen vorhanden.

Geräte aus deutscher bzw. europäischer Produktion besitzen häufig Anschlüsse mit der Bezeichnung Radio. Wie im Bild zu sehen, werden auch häufig Symbole verwendet. Hier eignet sich die mittlere Buchse mit dem Radiosymbol gut, um das Ausgangssignal des Tonbandgerätes abzunehmen. Andere Geräte verwenden Bezeichnungen wie „Tape in/out“ oder Ähnliches.

Natürlich sind an dem Gerät noch mehrere Anschlüsse vorhanden. Zum Überspielen der Tonbänder brauchen Sie allerdings nur einen Ausgang vom Tonbandgerät, deren Signale der Eingang unserer Soundkarte verarbeiten kann. Wurde die Verbindung von Computer und Tonbandgerät hergestellt, geht es an die Software.

Musik von den Tonbändern mit dem PC aufzeichnen

Um die auf den Tonbändern enthaltene Musik mit dem PC aufzeichnen zu können, wird noch eine entsprechende Software benötigt. Falls diese noch nicht vorhanden ist, kann beispielsweise die Freeware „Audacity“  zu diesem Zweck eingesetzt werden.

Dieses Programm ist recht einfach zu bedienen und ermöglicht es auf eine recht einfache Weise, die Bandaufnahmen mithilfe des PCs zu digitalisieren und zu archivieren. Natürlich ist es auch möglich, die auf diese Weise erstellten Aufnahmen bzw. Audiodateien später auf eine Musik-CD zu brennen. Das Audiopragramm „Audacity“ ist recht einfach zu bedienen. Beachten Sie jedoch, dass Sie gegebenenfalls die Aufnahmequelle Ihrer Soundkarte vor der Aufnahme einstellen müssen. Am besten verwenden Sie hierzu den Audiomixer Ihrer Soundkarte, mit welchem Sie die Aufnahmequelle entsprechend einstellen können.

Warum sich eine strukturierte Vorgehensweise lohnt

Wer Tonbandaufnahmen dauerhaft archivieren möchte, sollte nicht einfach „drauflos aufnehmen“. Kleine Fehler beim Anschluss, bei der Pegelwahl oder bei der Software-Konfiguration können die Qualität der Digitalisierung deutlich beeinträchtigen. In manchen Fällen lassen sich solche Fehler später nur schwer oder gar nicht korrigieren. Das gilt zum Beispiel für Brummen, das sich nur sehr schlecht nachträglich aus der Aufnahme entfernen lässt.

Gerade bei wertvollen oder einmaligen Aufnahmen empfiehlt es sich daher, strukturiert vorzugehen und typische Fehler von vornherein zu vermeiden. Dazu gehört nicht nur das richtige Kabel, sondern auch ein Verständnis für die Eigenheiten unterschiedlicher Tonbandgeräte, Bandtypen und Aufnahmesituationen.

Weiterführende Informationen zur Digitalisierung von Tonbändern

Dieser Beitrag zeigt die grundlegenden Schritte und Zusammenhänge beim Überspielen von Tonbändern auf den Computer. In der Praxis tauchen jedoch oft weitergehende Fragen auf, etwa zur optimalen Einstellung der Aufnahmeparameter, zur Pflege der Tonbänder oder zum Umgang mit unterschiedlichen Gerätetypen.

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Autor: Gerd Weichhaus: https://bandmaschinenseite.de/autor/

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2 Gedanken zu „Tonband überspielen, Tonbandgerät an PC-Soundkarte anschließen“

  1. Kann ich die DIN-Buchse meines UHER CR210 mit einem MIDI-Kabel, z.B. CME U2MIDI Pro, an die USB-Buchse meines iMac anschließen, um meine Cassetten zu digitalisieren? Die Softwares Garage-Band, iTunes und Audacity sind auf dem iMac installiert.

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    • Mit einem MIDI-Kabel geht das bestimmt nicht. Um Kassetten zu digitalisieren, muss das Audiosignal des Kassettendecks in den PC eingespeist werden. Das geht am PC je nachdem, was für Anschlüsse vorhanden sind, mit einem Cinch-Klinken-Adapterkabel oder mit einem USB-Audiointerface. Ich kenne mich mit dem iMac nicht aus. Wenn der auch einen Line-In-Anschluss hat, wird dafür ein entsprechendes Kabel benötigt. Audacity ist ja schon installiert.
      https://bandmaschinenseite.de/tonbaender-digitalisieren/

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