Wer ein älteres Tonbandgerät oder Kassettendeck verwendet, stößt früher oder später auf das Thema Tonköpfe entmagnetisieren. Magnetisierte Tonköpfe sollen angeblich für dumpfen Klang, Höhenverluste oder verzerrte Aufnahmen verantwortlich sein. Doch wie sinnvoll ist das Entmagnetisieren tatsächlich, wann sollte man es durchführen und was bringt es in der Praxis wirklich?
Bei Tonbandgeräten und Kassettendecks stehen die Tonköpfe während der Aufnahme und Wiedergabe permanent mit dem Magnetband in Kontakt. Mit der Zeit kann sich dadurch eine geringe Restmagnetisierung an Tonköpfen, Bandführungen oder anderen Metallteilen im Bandlauf bilden. Genau diese unerwünschte Magnetisierung soll durch das Entmagnetisieren wieder entfernt werden.
Tonköpfe wandeln die auf dem Band gespeicherten magnetischen Informationen in elektrische Audiosignale um. Während der Aufnahme funktioniert dieser Vorgang umgekehrt. Da dabei ständig magnetische Felder entstehen, lässt sich eine gewisse Magnetisierung bestimmter Metallteile langfristig kaum vermeiden.

Und tatsächlich berichten viele Nutzer vor allem bei stark genutzten Geräten über leichte Höhenverluste oder einen etwas dumpferen Klang. Besonders bei hochwertigen Bandmaschinen, Kassettendecks oder professioneller Studiotechnik gehörte das Entmagnetisieren deshalb früher oft zur regelmäßigen Wartung. Auch heute wird das Thema unter Sammlern und Freunden analoger Audiotechnik weiterhin intensiv diskutiert.
Was bringt das Entmagnetisieren der Tonköpfe?
Das Ziel besteht darin, unerwünschte Magnetfelder an Tonköpfen und Bandführungen zu entfernen. Dadurch sollen Aufnahmen und Wiedergabe möglichst unverfälscht bleiben. Besonders empfindlich reagieren hohe Frequenzen beziehungsweise Höhenanteile im Audiosignal.
Ob man tatsächlich einen deutlichen Unterschied hört, hängt stark vom jeweiligen Gerät, dessen Zustand und der Nutzung ab. Viele Heimgeräte werden nur gelegentlich betrieben, sodass eine starke Magnetisierung oft gar nicht erst entsteht. Bei häufig genutzten Bandmaschinen kann das Thema dagegen eher relevant werden.
Wichtig ist außerdem: Das Entmagnetisieren ersetzt keine Reinigung. Verschmutzte Tonköpfe, Bandabrieb oder verhärtete Andruckrollen verursachen meist deutlich größere Klangprobleme als eine leichte Magnetisierung. Deshalb sollten Tonköpfe zuerst gründlich gereinigt werden.
Wie erkennt man magnetisierte Tonköpfe?
Eine sichere Diagnose ist ohne spezielle Messmittel schwierig. Dennoch gibt es einige typische Hinweise:
- Höhenverlust bei Wiedergabe oder Aufnahme
- Dumpfer oder leicht verzerrter Klang
- Verschlechterung älterer Aufnahmen
- Unsaubere Hochtonwiedergabe
- Leicht erhöhtes Bandrauschen
Allerdings können dieselben Symptome auch durch verschmutzte Tonköpfe, falsche Bandeinstellungen oder gealterte Bauteile entstehen.
Wie werden Tonköpfe entmagnetisiert?
Zur Entmagnetisierung verwendet man meist eine sogenannte Entmagnetisierungsdrossel oder Löschdrossel. Diese Geräte erzeugen ein wechselndes Magnetfeld, das vorhandene Restmagnetisierung langsam abbaut.
Solche Entmagnetisierer waren früher als Zubehör für Tonbandgeräte und Kassettendecks weit verbreitet. Heute findet man sie meist gebraucht oder gelegentlich noch als Nachbau. Daneben existieren auch spezielle Entmagnetisierungskassetten für Kassettendecks.
Das Entmagnetisieren sollte sorgfältig durchgeführt werden. Eine falsche Anwendung kann unter Umständen sogar neue Magnetisierung erzeugen.
So funktioniert die Entmagnetisierung
- Das Tonband- oder Kassettengerät sollte ausgeschaltet sein.
- Die Entmagnetisierungsdrossel wird zunächst in größerem Abstand eingeschaltet.
- Danach nähert man sich den Tonköpfen und metallischen Bandführungen langsam mit kreisenden Bewegungen.
- Die Spitze sollte die Bauteile möglichst nicht berühren.
- Anschließend bewegt man das Gerät langsam wieder weg.
- Erst in größerem Abstand wird die Entmagnetisierungsdrossel ausgeschaltet.
Der letzte Punkt ist besonders wichtig. Wird das Gerät direkt an den Tonköpfen ausgeschaltet, kann erneut eine Restmagnetisierung entstehen.
Welche Teile sollten entmagnetisiert werden?
Nicht nur die eigentlichen Tonköpfe können magnetisiert werden. Auch Bandführungen, Umlenkbolzen oder metallische Teile im Bandlauf kommen infrage. Vorsicht ist allerdings bei empfindlichen Bauteilen geboten.
Andruckrollen aus Gummi dürfen selbstverständlich nicht mit Lösungsmitteln oder mechanischer Gewalt behandelt werden. Außerdem sollte man vermeiden, mit der Spitze des Entmagnetisierers gegen Tonköpfe oder empfindliche Mechanikteile zu stoßen.
Wie oft sollte man Tonköpfe entmagnetisieren?
Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Früher wurden teilweise Intervalle von etwa 20 bis 50 Betriebsstunden empfohlen. Bei heutigen Hobbyanwendern dürfte eine deutlich seltenere Anwendung meist ausreichen.
Wer nur gelegentlich Kassetten oder Tonbänder abspielt, muss das Thema normalerweise nicht überbewerten. Deutlich wichtiger sind diese Dinge:
- Wichtiger als das regelmäßige Entmagnetisieren sind in vielen Fällen saubere Tonköpfe, da sich Bandabrieb und Verschmutzungen direkt auf Klangqualität und Höhenwiedergabe auswirken können.
- Ebenso sollten die Andruckrollen noch weich, sauber und frei von Beschädigungen sein, damit das Band sauber transportiert wird.
- Auch saubere Bandführungen spielen eine wichtige Rolle, da sich dort ebenfalls Ablagerungen bilden können.
- Darüber hinaus sollten Riemen und Mechanik in gutem Zustand sein, weil ausgeleierte Riemen oder schwergängige Mechanikteile häufig deutlich größere Probleme verursachen als leicht magnetisierte Tonköpfe.
- Außerdem ist eine korrekt eingestellte Bandgeschwindigkeit wichtig, damit Aufnahmen und Wiedergabe mit der richtigen Tonhöhe und ohne hörbare Gleichlaufschwankungen erfolgen.
Gerade bei alten Tonbandgeräten verursacht verschmutzte Mechanik häufig größere Probleme als magnetisierte Tonköpfe.
Sind Entmagnetisierungskassetten sinnvoll?
Für Kassettendecks wurden früher spezielle Entmagnetisierungskassetten angeboten. Diese lassen sich ähnlich wie Reinigungskassetten verwenden. Die Wirkung solcher Kassetten wird allerdings unterschiedlich beurteilt.
Eine klassische Entmagnetisierungsdrossel gilt meist als wirkungsvoller, erfordert jedoch mehr Vorsicht und etwas Erfahrung bei der Anwendung.

Typische Fehler beim Entmagnetisieren
Ein häufiger Fehler besteht darin, den Entmagnetisierer direkt an den Tonköpfen ein- oder auszuschalten. Ebenso problematisch sind hektische Bewegungen oder Berührungen empfindlicher Teile.
Außerdem sollte das Gerät nicht unnötig lange verwendet werden. Viele ältere Entmagnetisierungsdrosseln erwärmen sich relativ stark.
Lohnt sich das Entmagnetisieren heute noch?
Wer hochwertige Bandmaschinen, seltene Kassettendecks oder historische Audiotechnik betreibt, kann mit einer gelegentlichen Entmagnetisierung durchaus sinnvolle Wartung betreiben. Wunder sollte man allerdings nicht erwarten.
Bei vielen Geräten bringt bereits eine gründliche Reinigung eine deutlich hörbare Verbesserung. Trotzdem gehört das Entmagnetisieren bis heute zu den klassischen Wartungsarbeiten analoger Audiotechnik und ist besonders bei Sammlern und Tonbandfreunden weiterhin ein interessantes Thema.

Vor allem bei häufig genutzten Geräten kann das Entmagnetisieren ein sinnvoller Bestandteil der Pflege sein, insbesondere zusammen mit der Reinigung der Tonköpfe und Bandführungen.
Weitere Informationen zu Tonbandgeräten, Kassettendecks und analoger Audiotechnik finden Sie auch in den übrigen Beiträgen auf dieser Webseite.
Wichtig ist das Entmagnetisieren der Tonköpfe an Tonbandgerät und Kassettendeck auch dann, wenn Tonbänder digitalisieren wollen und dafür das Gerät vor starker Magnetisierung von Tonköpfen und Bandführungen schützen wollen.
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Über den Autor
Gerd Weichhaus beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Fehlersuche an elektronischen Geräten. Er ist außerdem Autor von mehreren Fachbüchern über Elektronik.
Viele der beschriebenen Ursachen und Lösungen basieren auf praktischen Erfahrungen aus der Reparaturpraxis. Mehr über den Autor





1. Drossel nah an den Tonkopf bringen
2. Einschalten
3. Langsam entfernen
4. Ausschalten
5. Drei- bis viermal wiederholen, fertig
Nicht schon vorher einschalten, nicht kreisen. Wichtig, Tonbandgerät zuvor ausschalten!